Faszination Ostafrika: Weitere Buntbarsche aus dem Tanganjikasee

 

Buntbarsche aus dem ostafrikanischen Grabenbruch erfreuen sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit bei Aquarianern. Gründe hierfür sind sicherlich die prächtigen Farben, die in ihrer Intensität zuweilen an tropische Seewasserfische erinnern und das charakteristische Sozialverhalten. Studien belegen, dass diese Fische im Vergleich zu Welsen, Salmlern oder Barben relativ „intelligent“ sind. Versuche sollen gezeigt haben, dass Buntbarsche ihren Pfleger erkennen und von anderen Personen unterscheiden können. Ihr Revier- und Brutverhalten ist ebenfalls im Vergleich zu vielen anderen Zierfischarten sehr ausgeprägt. In der Beliebtheitsskala ganz oben stehen bei diesen Ostafrikanern die Buntbarsche aus dem Malawisee und dem Tanganjikasee, die sehr artenreich sind. Der Vollständigkeit halber sollte auch der Viktoriasee erwähnt werden, der ebenfalls einer der größten Seen der Erde ist. Hier wurde allerdings vor vielen Jahren der Nilbarsch (Lates niloticus) zu Nahrungszwecken als Neozoen eingesetzt, der einen Großteil der heimischen Buntbarsche verdrängt hat. Zunächst einmal muss man sich die Dimensionen dieser afrikanischen Seen vor Augen führen.

Der Malawisee in Ostafrika
Der in Ostafrika gelegene Malawisee zählt mit einer Länge von ca. 560 km und einer Breite von bis zu 80 km (durchschnittlich 50 km) zu den größten Seen der Erde. Der See ist bis zu 700 Meter tief. Der besonders fischartenreiche Malawisee liegt 474 Meter über NN und weist eine Fläche von 29.600 km² auf. Von seiner Größe/Fläche her gesehen kann man ihn mit dem Bundesland Brandenburg vergleichen, das 29.477 km² groß ist (Hessen 21.115 km²). Neben einigen Speisefischen sind die überwiegend maulbrütenden Buntbarsche Bewohner dieses Sees (Quelle: Wikipedia).

Der Tanganjikasee in Zentralafrika
Der im westlichen Teil des Ostafrikanischen Grabenbruchs (Zentralafrika) gelegene Tanganjikasee ist der sechstgrößte See der Erde. Der über 782 Meter über NN liegende See erstreckt sich über eine Länge von 670 km und ist im Durchschnitt 50 km breit (breiteste Stelle 90 km). Die tiefste Stelle liegt bei ca. 1.470 Metern! Damit ist er der tiefste See des afrikanischen Kontinents. Mit einer Fläche von 32.893 km² ist er fast so groß wie das Bundesland Baden Württemberg (35.750 km²). Der Tanganjikasee besitzt das größte Frischwasservorkommen Afrikas. Der See erstreckt sich über die vier Staaten Kongo, Tansania, Sambia und Burundi. Im Tanganjikasee gibt es ebenfalls eine Vielzahl farbenprächtiger Buntbarsche (Quelle: Wikipedia). Betrachtet man alleine mal die Größe des Malawi- und Tanganjikasees stellt man fest, dass es sich hierbei um fast nicht vorstellbare Weiten handelt. Ebenso beeindruckend ist die große Artenvielfalt, die in diesen Seen zu finden ist.

Die Einrichtung des Malawi- und Tanganjikaseeaquariums
Ein Malawi- oder Tanganjikaseeaquarium sollte vom Platz her großzügig gestaltet sein, da die Fische schwimmfreudig und revierbildend sind. Steinaufbauten bieten Unterschlupf- und Versteckmöglichkeiten. Da sich einige Arten gerne von pflanzlicher Kost ernähren, sollte auf eine üppige Pflanzendekoration verzichtet werden. Um nicht ganz auf grüne Akzente im Aquarium verzichten zu müssen eignen sich Javafarn (Microsorium pteropus), Anubias (Anubias barteri) oder auch große Vallisnerien (Vallisneria gigantea). Da die Barsche gerne wühlen empfiehlt es sich, einen sandigen oder feinkörnigen Bodengrund im Aquarium zu verwenden. Gegenüber den Wasserwerten sind die Fische nicht sehr anspruchsvoll oder empfindlich. Das Wasser sollte jedoch relativ hart und leicht alkalisch sein. Da das Wasser im Malawi- und Tanganjikasee sehr klar und sauber ist, ist eine ordentliche Filterung Pflicht. Der regelmäßige Wasserwechsel trägt zum Wohlbefinden der Fische ebenfalls bei.

Ausgeprägtes Sozialverhalten
Die meisten ostafrikanischen Buntbarsche haben ein ausgeprägtes Revierverhalten. Wie schon oben beschrieben sollten die Aquarien nicht zu klein sein, damit schwächere Fische Ausweichmöglichkeiten haben. Es empfiehlt sich außerdem ein leichter Überbesatz, damit sich die Aggressionen auf mehrere Fische verteilen können.

Unterschiedliche Futteransprüche
Die Futteransprüche der afrikanischen Buntbarsche sind unterschiedlich. Manche Arten ernähren sich ausschließlich von pflanzlichem Aufwuchs (Algen) und andere wiederum sind Allesfresser, die neben pflanzlicher Kost auch tierische Nahrung zu sich nehmen. Bei der Vergesellschaftung verschiedener Buntbarscharten sind die unterschiedlichen Futteransprüche unbedingt zu berücksichtigen. Reine Pflanzenfresser vertragen tierische Nahrung nur sehr schlecht und sollten deshalb nicht mit Allesfressern und deren Futter konfrontiert werden.

Malawi- oder Tanganjikaaquarium?
Diese Frage muss natürlich jeder Aquarianer für sich selbst beantworten. Vor dem Kauf sollte auf jeden Fall die Information stehen. Die Fachliteratur hält hierzu einiges vor und über Internetforen, Wikipedia oder den Kontakt zu einem Aquarienverein (hier finden sich immer Aquarianer mit Schwerpunkt Malawi- oder Tanganjikasee) bekommt man alle Informationen, die man braucht. Wer nicht so viele Platz zuhause hat oder den finanziellen Aufwand eines großen Aquariums scheut, ist mit Schneckenbarschen aus dem Tanganjikasee gut beraten. Die beiden Arten Neolamprologus similis und Lamprologus signatus gehören mit einer Größe zwischen 3 bis 5 cm zu den kleinsten ostafrikanischen Buntbarschen. Sie sind untereinander relativ friedlich und lassen sich in Aquarien ab 80 Litern halten. Die meisten anderen Buntbarscharten - egal ob Malawisee oder Tanganjikasee - brauchen deutlich größere Becken. Es lässt sich feststellen, dass Malawisee-Aquarien tendenziell etwas beliebter sind. Man merkt dies relativ schnell bei der Internet- oder Literaturreche. Insbesondere Kaiserbuntbarsche (Gattung Aulonocara) sind bei den „Ostafrika-Aquarianern“ sehr beliebt.

Welse im ostafrikanischen Aquarium
Der Fiederbartwels (Synodontis) ist ein typischer Bewohner Ostafrikas und eignet sich gut zur Vergesellschaftung mit Buntbarschen. Schnecken passen ebenfalls gut ins Ostafrikabecken, da sie sich um die Futterreste am Bodengrund kümmern.

Zucht und Brutpflege
Viele Buntbarsche aus dem Malawi- oder Tanganjikasee haben ein ausgeprägtes Sozial- und Brutverhalten. Bei manchen Arten bleiben Pärchen ein Leben lang zusammen und betreiben eine intensive Brutpflege, d.h. dass die Jungfische von den Elterntieren versorgt und bewacht werden.

 
Wichtige Begriffe bei ostafrikanischen Cichliden

Endemisch: Unter „endemisch“ versteht man, dass eine Art nur in einem bestimmten geografischen Raum vorkommt.

Maulbrüter: Als Maulbrüter werden die Fischarten bezeichnet, die die befruchteten Eier oder Jungfische zum Schutz vor Fressfeinden in ihr Maul nehmen. Man unterscheidet hier zwei Arten der Brutpflege; zum einen sind es die ovophilen Maulbrüter, die die Eier ins Maul nehmen und zum anderen die larvophilen Maulbrüter, die die Larven oder frisch geschlüpften Jungfischen in ihrem Maul schützen.

Mbunas: Als „Mbunas“ werden die meist aus dem Malawisee stammenden Buntbarsche bezeichnet, die Felsen bewohnen. Die Buntbarsche, die nicht an ein Felsbiotop gebunden sind bezeichnet man als „Utaka“. Der größte Teil der von in Aquarien gepflegten Buntbarsche aus Ostafrika zählt zu den Mbunas. Diese Fische sind sogenannte Aufwuchsfresser, die die Steine und Felsen quasi abgrasen. Die Nahrung besteht sowohl aus pflanzlicher als auch aus tierischer Kost (Wirbellose). Als Futter im Aquarium eignen sich Fertigfutter mit Spirulinaanteil und z.B. frischgeschlüpfte lebende Artemia.

 
Informationen zu den größten Süßwasser-Seen der Erde

Das Kaspische Meer ist mit einer Fläche von 371.000 km² der größte See der Erde. Er liegt in West-Asien (Aserbaidschan, Kasachstan, Iran, Russland, Turkmenistan) ohne natürliche Verbindung zu den Ozeanen innerhalb der großen Aral-Kaspi-Senke. Mit dieser Fläche von 371.000 km² ist das Kaspische Meer flächenmäßig größer als Deutschland (357.050 km²). Der Ladogasee ist der größte Süßwasser-See in Europa. Er befindet sich in Nordwestrussland in Süd-Karelien nahe der Grenze zu Finnland (Russland, Karelien). Die Wasserfläche beträgt 17.703 km². Der Baikalsee in Russland - Asiatischer Teil - (Fläche 31.492 km²) ist der volumenmäßig größte, tiefste (tiefste Stelle 1.637 Meter) und älteste Süßwassersee der Erde. Der größte See in Deutschland - mit deutschem Anteil - ist der Bodensee, an den auch Österreich und die Schweiz grenzen. Der größte vollständig zu deutschem Staatsgebiet gehörende See ist die Müritz, die Teil der mecklenburgischen Seenplatte ist.

Text und Fotos: Sven Haustein

 

      


Neolamprologus cylindricus

 

Neon-Kärpflingscichlide (Paracyprichromis nigripinnis),
das Foto zeigt ein Männchen.

 

Ein Weibchen von Paracyprichromis nigripinnis mit Eiern im Maul.

 

Altolamprologus calvus

 

Die "Prinzessin von Burundi" (Neolamprologus brichardi).

 

Tanganjika-Goldcichlide (Neolamprologus leleupi).

 

Julidochromis dickfeldi

 

Julidochromis marlieri

 

Tropheus moorii

 

Cyphotilapia frontosa "Magara"

 

Cyphotilapia frontosa "Cape Nanau"